Iwona Porozynski

das ewige Leben

SchmetterlingWenn ich nach Polen fahre besuche ich das Grab meiner Oma. Es war Spätsommer, schönes, warmes Wetter. Beim Friedhofseingang kaufte ich eine wunderschöne Blume im Topf und ein paar Kerzen. Am Grab zündete ich eine an und stellte auf die Steinplatte meine weiße Chrysantheme. Ich setzte mich auf die kleine Bank daneben und betete.

Mit dem inneren Auge sah ich meine liebste Oma, die in ihrem kleinen Häuschen, in der Küche für mich ein Brötchen mit dem selbstgemachtem Schmelzkäse vorbereitete. Gedanklich war ich ganz nah bei ihr. Plötzlich setzte sich an die weise Chrysantheme ein wunderschöner Schmetterling. Man nennt ihn Tagpfauenauge, so ein Exemplar hatte ich seit langem nicht mehr gesehen. Ja, nur in Spanien, aber nicht hier.

Für mich ein Schmetterling ist nicht nur ein Schmetterling, es ist viel mehr. Ich hatte Freudentrennen in den Augen. Schmetterlinge als Symbol für die Seele und Auferstehung kennt man in Kongo, in Mexiko und in Polynesien. Auch in christlichen Gräbern hat man sie gefunden. Ein Schmetterling verlässt den Körper, um in seiner ganzen Schönheit zu erstrahlen, ähnlich wie die menschliche Seele.

Ich wusste, es reicht, dass man an die Verstorbene denkt und prompt sind sie da. Für die Seele gibt’s keine Grenzen und keine Hindernisse, sie ist immer in unserer Nähe. An die unsichtbare, geistige Leben habe ich nie gezweifelt.